Programm

Sonntag, 6. Mai 2018

9:30 Uhr Doors

Blaue Stunde

10 Uhr Vortrag
Social Media Update: Jenseits von Facebook
von Christian Henner Fehr (Kultur- & Social-Media-Berater)
_Wir alle haben gemerkt, dass Facebook am Algorithmus geschraubt hat und das nicht unbedingt zum Vorteil derer, die dieses Netzwerk für ihr Marketing nutzen. Müssen wir uns nun nach Alternativen umschauen und warum ist die Suchmaschinenoptimierung plötzlich ein Thema geworden? Mit diesen und anderen aktuellen Entwicklungen beschäftige sich dieser Vortrag. Außerdem wird ein Blick in die Zukunft geworfen herausgearbeitet, welche Bedeutung künstliche Intelligenzen für den Kunst- und Kulturbereich habt. Nehmen sie Arbeit eher ab oder weg?

10:00 Uhr Workshop zur Eröffnung des Bloggerspace
von & mit den Kulturfritzen (Projektbüro für kulturelle Angelegenheiten im sozialen Netz)
_Der diesjährige Bloggerspace widmet sich der Frage: Wie können Theater mit Blogger*innen Diskurs gestalten und das Publikum mit einbinden? Denn, soviel wissen wir, Reichweite auf Instagram & Co. bringt keine Besucher*innen ins Theater. Möchten die Theater weiter Plattform für Diskurs sein, müssen sie sich ihrem Publikum öffnen. Die Zusammenarbeit mit Blogger*innen kann eine Säule von gezieltem Audience Engagement sein. Wir entwerfen ein Theater, das im Netz mit seinem Publikum in Dialog tritt. Wie utopisch ist das wirklich?
>Moderation: Anne Aschenbrenner und Marc Lippuner

11 Uhr Begrüssung
durch Esther Slevogt (nachtkritik.de) und Christian Römer (Heinrich Böll Stiftung)

11:10 Uhr Vortrag mit Gespräch
Posttraditionale Vergemeinschaftung
von Ronald Hitzler
_Der entscheidende Unterschied von sozusagen auf Individualisierung ‚antwortenden’ Formen von Gemeinschaft gegenüber herkömmlichen Gesellungsformen besteht u.E. darin, dass die Teilhabe an ihnen nicht mit den in traditionalen Gemeinschaften üblichen Bindungen und Verpflichtungen einhergeht. In solche, auf Individualisierung ‚antwortende‘ Gemeinschaften wird man nicht hineingeboren oder hineinsozialisiert, sondern man sucht sie sich aufgrund irgendwelcher Interessen selber aus und fühlt sich in einer – oder auch mehreren – von ihnen (wenigstens eine Zeit lang) mehr oder weniger ‚zu Hause’. Diese – als posttraditional etikettierbare – Form der Gemeinschaft basiert ausschließlich auf der Gemeinsamkeit bzw. Übereinstimmung von Neigun­gen, Vorlieben, Leidenschaften und bestimmten, als ‚rich­tig’ angesehenen Verhaltensweisen der in sie Involvierten. Folglich ist die Bindekraft einer sol­chen posttraditionalen Gemeinschaft strukturell (und damit nicht immer, aber in aller Regel) auch entsprechend labil.
>Moderation: Friedrich Kirschner

12.00 Uhr Kaffeepause

12.15 Uhr Parallelsessions I

12:15 Uhr Panel mit Gespräch
Wie geht das, dieses Miteinander? Autorschaft und Publikum.
Mit: Jutta Doberstein (Autorin und Stoffentwicklerin) und Geraldine de Bastion (Programmteam Republica)
_Auf den ersten Blick, mag unsere Idee von „Theaterpublikum“ nicht direkt mit dem Begriff der Community übereingehen. Wenn das Publikum jedoch in die Inszenierung eingebunden wird, mit den Teilnehmenden zusammen Themen und Geschichten erarbeitet werden, entstehen im Besten Falle geteilte Wissensbestände, geteiltes Erleben, und dadurch auch ein Sinn von Gemeinschaft. Anhand des aktuellen Arbeitsstand des Projektes „Welche Zukunft“ (www.welchezukunft.org) und der Community, die sich jährlich zur Netzkonferenz re:publica in Berlin versammelt, diskutieren wir die Frage nach Gemeinschaft und Miteinander, die Rahmenbedingungen die dafür geschaffen werden, und die dramaturgischen Eigenheiten der Herstellung von „Miteinander“.
>Moderation: Friedrich Kirschner

12:15 Uhr Vortrag mit Gespräch
Menschen als Softwareverlängerung: Von der Gemeinschaft des kreativen Prekariats.
von Sebastian Schmieg
_Während Technologien oft als Erweiterungen unserer Körper beschrieben werden, betrachtet Sebastian Schmieg in seinem Vortrag diese Beziehungen aus der entgegengesetzte Perspektive: Menschen als Software-Erweiterungen, die ganz einfach eingesteckt, neu verkabelt und wieder ausrangiert werden können. Computernetzwerke werden durch unsere Körper, unsere Sinne und unser Denken erweitert: beispielsweise wenn wir CAPTCHAs lösen und dadurch künstliche Intelligenz trainieren, wenn sich Menschen als Bots ausgeben müssen, wenn Arbeit vermittels Onlineplattform und Handy organisiert wird oder wenn Arbeiter/innen gar programmierbar werden. Menschen die Maschinen erweitern – so lassen sich schon seit geraumer Zeit viele Formen der Arbeit beschreiben. Da vernetzte Software nun jedoch alle Aspekte unserer Arbeits- und Lebenswelten durchdringt, wird die algorithmische Analyse, Organisation und Modulation von Körpern allgegenwärtig. Die Verfasstheit von Menschen als Software-Erweiterungen, zu denen auch wir uns zählen können, wie auch viele der Menschen, die für uns arbeiten, wird Schmieg anhand einer Reihe von Beispielen illustrieren, um dann abschließend mögliche Interventionen innerhalb von algorithmischen Systeme vorzuschlagen.
>Moderation: Christian Römer

12:15 Uhr Präsentation mit Gespräch
Echtzeit-Installationen: Das Drama in sozialen Medien und sein theatraler Abdruck

mit Leif Randt (Autor), Tomas Schweigen (Regisseur und Intendant, Schauspielhaus Wien) und Rahel Spöhrer (The Agency Berlin / München)
_
Dating Apps, Freundschaftsanfragen, Beziehungsgeschichten in der Web-Community. Wie führt der Weg raus ins reale Bühnenerlebnis? Die Seestadt-Saga vom Tomas Schweigen am Schauspielhaus Wien und Perfect Romance von Leif Randt und The Agency an den Münchner Kammerspielen sind Projekte, die gezielt den theatralen Abdruck von Social-Media-Narrativen suchen. Sie produzieren aus selbst entworfenen Netz-Fiktionen heraus Theater- und Öffentlichkeitsräume. Was bedeuten solche Theaterprojekte konkret: für die Autorschaft, für theatrale Ereigniskonstruktion, für die Regeln der Partizipation?
>Moderation: Christian Rakow

13:15 Uhr Pause
_Essen und Trinken liegen wie immer in den bewährten Händen von Gordon Master TIKI.

14.00 Uhr Parallelsessions II

14:00 Uhr Experimentelles Gesellschaftsspiel für bis zu 40 Mitspieler*innen
All Your Base Are Belong To Us
von und mit Clara Fritsche, Emilia Giertler, Maikel Drexler und Kaspar Weith (Studierende der Abteilung zeitgenössische Puppenspielkunst der HfS Ernst Busch).
_Auf der deutschen Wikipedia Seite gibt es keinen Eintrag für den 2001 durch die Werbung für Playstation populär gemachten Begriff „The Third Place“. Er beschreibt den Ort abseits des „zu Hause“ und „der Arbeit“. Den Ort des sozialen Miteinanders. Das experimentelle Gesellschaftsspiel „All Your Base Are Belong To Us“ bildet eine Vielzahl alltäglicher und aussergewöhnlicher Orte an, die alle miteinander in Bezug stehen, die alle das Potential der Vergemeinschaftung in den Vordergrund stellen.
Die im Rahmen von Forschung und Lehre an der HfS „Ernst Busch“ entstandene Inszenierung soll die in den letzten Jahren entwickelten technischen Lösungen für neue Bühnenvorgänge im Theater auf Basis digitaler Medien erlebbar machen. „All your base are belong to us“ richtet sich in erster Linie an Theaterschaffende und -interessierte und bildet zeitgenössische mediale Möglichkeitsräume ab. Die dargestellten Vorgänge werden über die Webseite www.hyperdramatik.net dokumentiert.
>In Kooperation mit der Schaubude Berlin und freundlicher Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung. Anmeldung vor Ort.

14:00 Uhr Vortrag mit Gespräch
Wer sitzt da draußen? Thesen und Fakten zum unbekannten Wesen Publikum.
von Rainer Glaap
_Früher war alles ganz einfach. Wenn man Intendant*innen fragte, für wen sie Theater machen, war die Antwort: für alle. So leicht kann man es sich heute nicht mehr machen: die Segmentierung der Gesellschaft ist weit fortgeschritten, Filterblasen bestimmen die Wahrnehmung und zu einem Teil auch die Zusammensetzung des Publikums – die treuen Abonnent*innen einmal ausgenommen. Wie setzt sich Publikum also heute zusammen? Was motiviert es zum Besuch? Mit einem Blick auf aktuelle empirische und qualitative Studien versucht Rainer Glaap, einen Überblick über die aktuelle Publikumsforschung zu geben und betrachtet dabei auch die Nicht-Besucher*innen, die naturgemäß schwerer zu fassen sind.
>Moderation: Esther Slevogt

14:00 Uhr Panel mit Gespräch
Theatre White Space: Varianten digitaler Bühnen.
Mit: Nick Hartnagel (freier Regisseur), Jörn Hintzer & Jakob Hüfner (Datenstrudel) und Matthias Seier (Dramaturgie, Schauspiel Dortmund).
>Moderation: Christian Römer

14.50 Uhr Kaffeepause

15.00 Uhr Parallelsessions III

15:00 Uhr Experimentelles Gesellschaftsspiel für bis zu 40 Mitspieler*innen
All Your Base Are Belong To Us
von und mit Clara Fritsche, Emilia Giertler, Maikel Drexler und Kaspar Weith (Studierende der Abteilung zeitgenössische Puppenspielkunst der HfS Ernst Busch).
_Auf der deutschen Wikipedia Seite gibt es keinen Eintrag für den 2001 durch die Werbung für Playstation populär gemachten Begriff „The Third Place“. Er beschreibt den Ort abseits des „zu Hause“ und „der Arbeit“. Den Ort des sozialen Miteinanders. Das experimentelle Gesellschaftsspiel „All Your Base Are Belong To Us“ bildet eine Vielzahl alltäglicher und aussergewöhnlicher Orte an, die alle miteinander in Bezug stehen, die alle das Potential der Vergemeinschaftung in den Vordergrund stellen.
Die im Rahmen von Forschung und Lehre an der HfS „Ernst Busch“ entstandene Inszenierung soll die in den letzten Jahren entwickelten technischen Lösungen für neue Bühnenvorgänge im Theater auf Basis digitaler Medien erlebbar machen. „All your base are belong to us“ richtet sich in erster Linie an Theaterschaffende und -interessierte und bildet zeitgenössische mediale Möglichkeitsräume ab. Die dargestellten Vorgänge werden über die Webseite www.hyperdramatik.net dokumentiert.
>In Kooperation mit der Schaubude Berlin und freundlicher Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung. Anmeldung vor Ort.

15:00 Uhr Panel mit Gespräch
Non-lineares Erzählen: Geschichten für eine vernetzte Welt.
mit Janne Nora Kummer (Virtuellestheater), Judith Ackermann (Uni Potsdam), Christiane Hütter (Invisible Playground)
_Nicht erst seit der digitalen Vernetzung unseres Alltags hat sich die Wahrnehmung gesellschaftlicher Strukturen elementar gewandelt. Und damit auch die Kulturtechniken, mit denen wir uns über die Welt verständigen. An die Stelle von Wissenstransfer und Deutungshoheit treten immer öfter Möglichkeitsräume und Aushandlungsprozesse. Drei Theaterschaffende diskutieren neue dramaturgische Wege, mit dem Publikum zusammen Aspekte unseres Miteinanders zu verhandeln. Mit und ohne digitale Technologien. Mit und ohne eindeutige Lesart. Und oft mit neuen Anforderungen an die Wissensbestände der Teilnehmenden.
>Moderation: Friedrich Kirschner

15:00 Uhr Präsentationen mit Gespräch
Digitale Öffentlichkeit gestalten: Theaterwebseiten und -Apps.
Mit: Laura Diehl (Online-Redaktion HAU Berlin), Miriam Wendschoff (Dramaturgin Schauspielhaus Bochum), Stefan Scheer (Gamedesigner und Art Director, Düsseldorf)
_Theater stellt Öffentlichkeit her. Zumindest im analogen Raum. Aber gälte es im Zuge des gleichen Auftrags nicht auch, Öffentlichkeit im digitalen Raum zu gestalten? Welche Rolle können Apps und Theaterwebseiten dabei spielen? Auch vor dem Hintergrund der schrumpfenden Zeitungslandschaft, den damit schwindenden Möglichkeiten für Theater, eine Öffentlichkeit für die eigenen Produktionen herzustellen, und auf diesem Weg potenzielle Zuschauer zu erreichen. Kann eine Theaterwebseite mehr als Ticketverkaufstool und digitaler Leoprello oder Spielzeitheft im Internet sein? Welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus, mit digitale Tools Bühnen im Netz zu bespielen? Darüber wollen wir anhand von zwei Beispielen ins Gespräch kommen: dem Work-in-Progress der neuen Internetseite des HAU und einer Game-App über Träume, die das Schauspielhaus Bochum entwickelt hat.
>Moderation: Esther Slevogt

16.00 Uhr Debatte
Zwischen Community und Heimatministerium
mit Shermin Langhoff (Intendantin Maxim Gorki Theater, Berlin) und Matthias Lilienthal (Intendant Münchner Kammerspiele)
_Die Stadtgesellschaft diversifiziert sich, Communities bilden ihre eigenen kulturellen Subzentren aus. Kann das Theater die Kräfte bündeln? Wie vermag es, unterschiedliche Communities in seinem Programm zusammenzuführen und gleichzeitig markant profiliert zu bleiben? Wie weit sind die Traditionen der Stadttheaterkunst Kapital und/oder Bürde in der Entwicklung der Theaterhäuser in der posttraditionalen Gesellschaft? Wie welchem Maß müssen Reformen die bestehenden Verhältnisse berücksichtigen; in welchem Maße braucht es Umwälzungen? Diese Fragen werden mit zwei Theatermacher*innen diskutiert, die sich einen Ruf als führende Theaterneuerer*innen erworben haben. Shermin Langhoff und Matthias Lilienthal beleuchten exemplarisch die paradigmenbildenden Theaterunternehmungen Hebbel-am-Ufer (HAU) und Maxim Gorki Theater in Berlin sowie den Konflikt um die Münchner Kammerspiele.
>Moderation: Christian Rakow und Esther Slevogt

17:00 Uhr Ausklang mit Umtrunk

 

>>> Nähere Informationen zu den Sprecher*innen und Referent*innen finden Sie in der alphabetisch geordneten Referent*innenliste.